30.09.2016

Zu den über 70 Teilnehmern an den Trauerfeiern für den am 28. September verstorbenen Shimon Peres am 30. September in Jerusalem gehören US-Präsident Barack Obama, Amtsvorgänger Bill Clinton, Außenminister John Kerry, der palästinensische Präsident Machmud Abbas, der kanadische Premier Justin Trudeau, der ukrainische Präsident Petro Poroshenko, Bundespräsident Joachim Gauck, EU-Ratspräsident Donald Tusk, die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, der irische Außenminister Charles Flanagan, der ungarische Premier Victor Orban und der ehemalige österreichische Bundespräsident Heinz Fischer. Bei der Begrüßung der Trauergäste unterlässt es Benjamin Netanjahu, Abbas zu erwähnen, noch entschuldigt er sich dafür, dass er Peres seit den Vereinbarungen von Oslo mit allen Mitteln bekämpft und zu demütigen versucht.

In seiner Ansprache unterstreicht Obama, dass das jüdische Volk nicht geboren sei, über ein anderes Volk zu herrschen, und erwähnt als politisches Vorbild Nelson Mandela. Peres hätte gesagt, dass es weder Herren noch Sklaven gibt. Er habe verstanden, das wahre Sicherheit dadurch entstehe, mit den Nachbarn Frieden zu schließen. Israel sei am besten geschützt, wenn die Palästinenser einen eigenen Staat hätten. Trotz Terrorakten und wiederholten Enttäuschungen am Verhandlungstisch müssten die Palästinenser in ihrer Würde gleichberechtigt sein und sich selbst bestimmen können. Obama begrüßt Abbas demonstrativ herzlich.

In seiner Ansprache betont Amos Oz, dass Frieden „möglich, grundlegend und unvermeidbar“ sei und dass das Land geteilt werden müsse. Dieses Haus müsse für zwei Familien umgebaut werden. Weder die Israelis noch die Palästinenser könnten woanders hingehen. In ihrem Herzen würden alle Seiten die Wahrheit kennen, doch wo seien die mutigen Führer, die aufstehen und diese Dinge zur Realität werden lassen? Oz erinnere an die erste Begegnung mit Peres, einem „Falken im Lande der Falken“, im Kibbutz Hulda vor 42 Jahren. „Wo sind die Nachfolger von Shimon Peres?“ Oz gehört zu den rund 500 Unterzeichnern des Aufrufs an die Juden der Welt „Wenn ihr euch um Israel sorgt, ist Schweigen keine Option mehr“.

Der Vorsitzende der „Vereinigten Liste“ Ayman Odeh begründet in einem Fernsehinterview, warum er an der Trauerfeier nicht teilnahm: An dieser „nationalen Trauer“ habe er keinen Anteil. Das Narrativ und die Symbole würden ihn ausschließen. Die israelischen Führer seien vom „historischen Schmerz“ der Araber in diesem Lande weit entfernt. So wie er den historischen Schmerz des jüdischen Volkes spüre, den Holocaust und die Pogrome, erwarte er von den Juden, dass sie auch seinen historischen Schmerz fühlen.