30./31.01.2016

Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ äußert der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main und Vizepräsident des „Zentralrats der Juden in Deutschland“ Salomon Korn seine Sorgen weniger über antijüdische Importe durch die Flüchtlinge aus dem arabischen Raum des Nahen Ostens als über die – wie er sagt – „20 bis 25 Prozent der Menschen in Deutschland, die antisemitisch eingestellt sind“. Im Gegensatz zu den Gesprächen mit Muslimen scheine ihm das rechte Spektrum in Deutschland festgefahrener und aggressiver zu sein. Auf die Frage, ob Angela Merkels Satz „Wir schaffen das“ stimme, antwortet Korn: „Ich stamme zwar aus dem Volk der Propheten, bin aber Architekt.“ Wer wie die CSU eine verordnete Leitkultur fordere, irre. Die Politik der AfD mache ihm weniger Kummer als die „Sorge, was jetzt von Menschen auch aus der Mitte der Gesellschaft kommt, die ihrem Hass freien Lauf lassen“. Liberal zu sein, bedeute nicht der Besitz der absoluten Wahrheit, sondern sich selbst Ansprüche zu stellen. Was Deutschland angehe, sei er „gedämpft optimistisch“, weil sich demokratische Strukturen über zwei Generationen stabilisiert haben. Dass er, Korn, seine Eltern in Deutschland statt gemäß deren Wunsch in Israels heiliger Erde begraben habe, begründet er trocken mit der Prognose, dass die Ewigkeit noch lange genug dauere[1].  

[1]  „Wir werden sehr viel Geduld haben müssen“, in SZ 30./31.01.2016, S. 8.