17.01.2016:

Zum vierten Mal seit 2012, 2013 und 2015 werden Mauern und Türen der Benediktinerabtei "Dormitio" auf dem Zionsberg mit Parolen wie „Zur Hölle mit den Christen“ und „Möge sein [Jesu] Name ausgelöscht sein“ geschändet. In der wöchentlichen Kabinettssitzung reagiert Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit dem Bekenntnis: „Israel ist ein Ort, wo Christen und alle anderen Religionen frei ihren Gottesdienst feiern können.“ 

   Im Interview beklagt sich die in Israel gebürtige Liran Avisar Ben Horin, die für die Einwanderung aus den USA zuständige Chefin der „Masa Israel Journey“ – die Einrichtung erhält pro Jahr 67 Millionen US-Dollar vom Staat Israel –, dass das Interesse US-amerikanischer Juden an Israel erheblich zurückgegangen sei, weil sie nur dann angesprochen würden, wenn sie – wie im Falle Irans – von der israelischen Politik gebraucht würden. Gemäß der jüngsten Umfrage würden 80 Prozent der jungen Juden sagen, dass jüdisch für sie nichts bedeute und dass jüdisch zu sein kein wichtiger Teil ihrer Identität sei. Die traditionelle jüdische Führung sei alt, und die junge Führung sei zahlenmäßig klein und still. Auf dem Campus der Universitäten sei Israel „ein Underdog“, worauf die jüdischen Studenten keine Antwort hätten. Nicht nur die Besetzung der palästinensischen Gebiete, sondern auch der fehlende religiöse Pluralismus, der religiöse Zwang und der Status der Frauen in Israel würden zur Ambivalenz beitragen. Als Erziehungsminister Naftali Bennett im Dezember 2015 eine konservative jüdische Schule in New York besucht habe, sei er vom aschkenasischen Oberrabbiner David Lau kritisiert worden. Im Oberrabbinat habe es außerdem geheißen, dass Bennetts Besuch das jüdische Volk gefährde, während andere Rabbiner von einem spirituellen Holocaust geredet hätten[1].

[1]   Rotem Starkman: ‘Israel isn’t a brand some American Jews want to identify with, in „Haaretz” 17.01.2016.