24. Oktober

Stefan Kornelius zitiert in der “Süddeutschen Zeitung” auf Seite 1 “Jeder vierte Deutsche denkt antisemitisch” aus einer repräsentativen Umfrage des Jüdischen Weltkrongresses, wonach 28 Prozent der deutschen Hochschulabsolventen mit einem Jahreseinkommen von mindestens 100.000 Euro behaupten, Juden hätten zu viel Macht in der Wirtschaft, 26 Prozent würden ihnen zu viel Macht in der Weltpolitik vorhalten, 48 Prozent würden behaupten, Juden verhielten sich loyaler zu Israel als zu Deutschland, und für zwölf Prozent seien die Juden für die meisten Kriege verantwortlich. Nur ein Drittel der Befragten würde gegen Antisemitismus auf die Straße gehen, obwohl etwa 60 Prozent einräumen würden, dass Juden einem Gewaltrisiko oder hasserfüllten Verbalangriffen ausgesetzt seien. 44 Prozent würden die Sorge teilen, dass sich “so etwas wie der Holocaust in Deutschland heute wiederholen kann”. Am 28. Oktober erhält Bundeskanzlerin Angela Merkel aus den Händen des Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses Ronald S. Lauder in München die “Theodor-Herzl-Medaille”. Die Vermutung ist nicht weit hergeholt, dass sich die sterblichen Überreste Herzls auf dem nach ihm benannten Friedhof in Jerusalem beim Blick auf die Wendungen seines Zionismus im Grabe umdrehen. Sie sollten auch der Bundeskanzlerin gegenwärtig sein.

Mit der Überschrift “Deutsche Milliardenhilfe für Ankara” berichtet die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” in ihrem Wirtschaftsteil, dass im Widerspruch zur schwindenden Rechtsstaatlichkeit in der Türkei die dortige Regierung großzügig alimentiert werde. So seien dem Land bis 2020 nicht weniger als 3,7 Milliarden Euro zugesagt worden, obwohl die Hilfen nach Angaben des EU-Rechnungshofs ihre Ziele zum Teil verfehlen. Die Flüchtlingshilfe mache nur einen Teil der Zusagen aus. Die Europäische Union sei der größte multinationale Geldgeber. Nur fünf Staaten bekommen mehr: Syrien, Athiopien, Afghanistan, Bangladesch und Jemen. Außerdem schickt die Bundesregierung über Förderbanken viel Geld in die Türkei. Im Rahmen der deutschen Leistungen für den EU-Haushalt in Höhe von 20,5 Prozent würden weitere 300 Millionen Euro für die Türkei hinzukommen.