09. Oktober

Bei einem Angriff auf die Synagoge in Halle (Saale) erschießt ein 27 Jahre alter Deutscher auf der Straße eine Frau und einen Mann, als er am heutigen Versöhnungstag (“Yom Kippur”) die Tür zum Gotteshaus mit bis zu achtzig Betenden verschlossen findet. Nach den bisherigen Erkenntnissen des Generalbundesanwalts handelt es sich um einen antisemitischen Angriff. Der Täter, der auf der Flucht festgenommen wird, filmt sein Verbrechen mit seiner Helmkamera. In seinem Auto werden vier Kilogramm Sprengstoff gefunden. Die Bundesregierung drückt ihr Entsetzen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel beteiligt sich an einer Gedenkveranstaltung vor der Neuen Synagoge in der Berliner Oranienburger Straße. Bei der Gedenkfeier zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution in der damaligen DDR betont Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Leipzig, dass aus dem Tag der Freude ein Tag des Leidens geworden sei. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, kritisiert die fehlenden Sicherheitsvorkehrungen in Halle. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) plant ein Gesetz, damit Hassnachrichten unter Strafe gestellt werden können.

Trotz internationaler Proteste beginnt das türkische Militär auf Anordnung von Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Offensive mit dem schäbigen Namen “Friedensquelle” mit F-16-Kampfflugzeugen und Bodentruppen gegen kurdische Milizen im Norden Syriens. Diese kündigen ein, den Kampf gegen den “Islamischen Staat” einzustellen, um sich gegen das türkische Vordringen zu wehren. Vorangegangen war die Ankündigung von Präsident Donald J. Trump, die amerikanischen Soldaten aus dem Gebiet abzuziehen. Abgeordnete und Senatoren der Republikaner im Kongress kritisieren Trump nachdrücklich und werfen ihm Verrat an den Kurden vor, die sich als Verbündete der USA gegen den IS einsetzen. Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilt das türkische Vorgehen scharf. Zum allgemeinen Erstaunen wirft der russische Außenminister Sergej Lawrow den USA vor, durch den geplanten Abzug ihrer Einheiten die ganze Region in Brand zu setzen. Erdogan droht den Europäern, die türkischen Grenzen nach Europa zu öffnen, sollte die Kritik an seiner Invasion anhalten.