Überall Antisemiten?

Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland, hat am 25. Mai die jüdischen Männer davor gewarnt, in der Öffentlichkeit eine Kippa zu tragen, weil sie damit vor antisemitischen Anschlägen und Bemerkungen nicht gefeit seien. Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich einen Tag später dagegen verwahrt, dass die Sicherheitsbehörden nicht in der Lage seien, für die freie Religionsausübung zu sorgen. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin zeigte sich über Kleins Warnung “zutiefst erschrocken” und bezeichnete sie als Eingeständnis der staatliche ”Kapitulation vor dem Antisemitismus”. Der jüngste Jahresbericht zu politisch motivierter Kriminalität hat gegenüber 2017 einen Zuwachs von 19,6 Prozent - in Zahlen 1.799 Fälle - ausgewiesen, meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 27. Mai. Darunter fallen Angriffe auf jüdische Geschäfte wie in Chemnitz und Berlin, Demütigungen, Mobbing und judenfeindliche Stereotype. Am selben Tag fragte der Kommentator der Süddeutschen Zeitung, wo denn die Behörden blieben, wenn eine Muslima mit Kopftuch beschimpft wird. Diese Gefahr droht verkehrt, wenn die Initiative aus der Union erfolgreich ist, muslimischen Frauen ein solches Verbot aufzuerlegen.

Der Publizist Armin Lange hatte bereits am 05. Juni 2018 in einem Beitrag für ZEIT-online die Frage aufgeworfen, ob Klein fundamentalistischen Christen auf den Leim gegangen sei, die behaupten, dass die Juden bei Ankunft ihres Messias ins Heilige Land auswandern und dort zum Christentum konvertieren würden. Manche Fundamentalisten gehen so weit, ihnen im Falle ihrer Weigerung die Hölle anzudrohen.