Absage an einen "theologischen Deckmantel"

Anfang April 2019 hat das “KAIROS-Palästina-Solidaritätswerk” mit Sitz in Heidelberg in einem knappen Papier mit dem Titel “Keinen theologischen Deckmantel für das Unrecht bieten” noch einmal gefordert, “endlich die doppelte Verantwortung gegenüber den Menschen in Palästina und in Israel wahrzunehmen. Wir wehren uns entschieden dagegen, dass die Erinnerung an den Holocaust dazu dient, die Vertreibung und Unterdrückung des palästinensischen Volkes sowie das seit mehr als 50 Jahren währende Besatzungsregime hinzunehmen oder gar zu rechtfertigen”, hieß es eingangs. Der Druck auf die Palästinenser habe unerträglich zugenommen, und die Selbstzerstörung des demokratischen Anspruchs Israels schreite voran.

“Aus unserer Sicht sind es vor alllem zwei thematische Schwerpunkte, die im kirchlichen Gespräch eine Schlüsselroolle spielen, nämlich die Bestimmung des Verhältnisses zwischen biblischem und modernem Israel sowie des Verhältnisses zwischen Universalität der Verheißung und Partikularität der Erwählung”. Anerkannt werde, “dass es einen auf Tradition beruhenden Zusammenhang zwischen dem biblischen und dem modernen Israel gibt, nicht aber eine politisch stringente, rechtlich tragfähige und biblisch begründbare staatliche Kontinuität. Die faktische Existenz des modernen Staates Israel wird damit von uns nicht in Frage gestellt und schon gar nicht das Recht aller Bewohner zwischen Jordan und Mittelmeer auf ein Leben in Gerechtigkeit, Freiheit und Sicherheit.”

Als Staat, dessen Entstehen auf eine Empfehlung der Vereinten Nationen (der UN-Teilungsresolution vom November 1947) zurückgehe, “ist sein Handeln, wie das aller Staaten, an die Bestimmungen der Allgmeinen Menschenrechtserklärung, des UN-Zivilpaktes, des UN-Sozialpaktes und weiterer völkerrechtlicher Vereinbarungen gebunden”.