Uri Avnery ist tot

Uri Avnery ist tot. Er starb am 20. August nach einer Gehirnblutung in einem Tel Aviver Krankenhaus. 1923 als Helmut Ostermann geboren und in Hannover zur Schule gegangen, emigrierte seine Familie 1933 nach Palästina und ließ sich nach einer kurzen Übergangsphase in Nahalal – 1915 wurde dort Moshe Dayan geboren – in Tel Aviv nieder. 1938 schloss sich Avnery der illegalen „Nationalen Militärorganisation“ (Akronym „Irgun“) an, um das Recht auf einen eigenen Staat durchzusetzen: „Wir waren Friedenskämpfer, für die Briten jedoch Terroristen.“ Drei Jahre später verließ er die Organisation in der Überzeugung, dass die arabische Bevölkerung dasselbe Recht auf Unabhängigkeit habe wie die Juden. Nachdem er den UN-Teilungsplan vom November 1947 abgelehnt hatte, weil er auch Tulkarem, Hebron und Nablus als seine Heimat ansah, verstand er rasch, dass mit dem israelischen Unabhängigkeitskrieg, in dem er verletzt wurde, die Vorstellung der jüdisch-arabischen Koexistenz erledigt sei. Danach hielt Avnery an der Zwei-Staaten-Theorie fest.

Zwischen 1969 und 1977 sowie noch einmal von 1979 bis 1981 gehörte er der Knesset an. Im Juli 1982, während des Libanon-Krieges, traf er mit Yasser Arafat in Beirut zusammen. 1993 gründete er „Gush Shalom“ (den „Friedensblock“), wofür er bis zu seinem Tode in Kommentaren und auf Protestveranstaltungen gegen die Okkupationspolitik präsent war. Sein politischer Widerstand galten der Verehrung des Militärs, dem religiösen Zwang - er lässt sich kremieren, seine Asche wird auf dem Meer verstreut -, dem Verzicht auf eine demokratische Verfassung und der Diskriminierung ethnisch-religiöser Gruppen. In deutscher Übersetzung liegen mehrere Bücher von ihm vor, so „Israel ohne Zionisten“ (1968), „Mein Freund, mein Feind“ (1988), „Wir tragen das Nessos-Gewand. Israel und der Frieden im Nahen Osten“ (1991), „Zwei Völker – zwei Staaten“ (1995) sowie gemeinsam mit Azmi Bishara als Herausgeber „Die Jerusalem-Frage“ (1996).

Den transnationalen Kampagnen „Boycott, Divestment, Sanctions“ (BDS) stand Avnery aus mehreren Gründen ablehnend gegenüber. Dazu gehörte seine Überzeugung, dass die Opposition gegen die israelische Politik vorrangig die Pflicht der eigenen Gesellschaft sei.

Mit Avnery, dessen in Berlin gebürtige Frau Rachel 2011 starb, hat uns ein politischer und persönlicher Freund verlassen, dessen emotionale Sperrigkeit wir respektierten. Wir trauern um den unermüdlichen Kämpfer für den Frieden zwischen Juden und Arabern, Israelis und Palästinensern.