Im Gedenken an Reuven Moskowitz (1928 - 2017)

von Reiner Bernstein

Ich kannte Reuven wohl am längsten. So erinnere ich mich lebhaft an unsere erste Begegnung – es war 1977, das Jahr des Regierungsantritts Menachem Begins –, als er gemeinsam mit meinem unvergessenen Freund Eliezer Feiler (1921 – 1993) aus dem Kibbutz Yad Hanna in die Berliner Evangelische Akademie am Kleinen Wannsee kam.

Schon damals musste sich der Direktor gegenüber seinem Dienstherrn rechtfertigen, dass er zwei kritische jüdische Israelis, beide Verfolgte des Naziregimes, eingeladen hatte. An solchen Widerständen hat sich nichts geändert. Ja, je weniger sich die israelische Politik verteidigen lässt, desto massiver verwenden sich die Regierungen in Jerusalem und ihre deutschen Hintersassen gegen jede Kritik. Dass Reuven dabei politische und individuelle Oberflächlichkeiten bei der „Bewältigung der Vergangenheit“ in Deutschland nicht außer Acht ließ, verschaffte seiner Friedensarbeit in Israel und in der Bundesrepublik zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Reuvens Unermüdlichkeit wurde zur Legende. Wenn er bei Seminaren und Tagungen biblische Zitate und Lieder aus der jüdischen Liturgie vortrug, riss er sein Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Er war ein Mann, der im Judentum tief verwurzelt war, auch wenn er nicht regelmäßig in die Synagoge ging. Reuven war in einem anderen Sinne tiefgläubig: Er liebte sein Volk auf eine Weise, die der große Erziehungswissenschaftler Akiva Ernst Simon (Berlin 1899 – Jerusalem 1988) in die Worte gekleidet hat:

„Mein Volk ist mein Leid,

seine Freude ist meine Freude nicht.

meines Volkes Schwäche ist meine Schwäche,

sein Heldentum ist mein Heldentum nicht.

Seine Verzweiflung ist nicht die meine –

Aber seine Hoffnung ist meine Hoffnung.“

Wie Simon ließ Reuven nicht von dem Ziel der jüdisch-arabischen Verständigung in Palästina ab. Ehre bleibe seinem Andenken.