Ungarn und Israel: Antisemitismus war gestern

von Reiner Bernstein

Am 12. Juli 2017 hat die ungarische Regierung beschlossen, die gegen den Mäzen George Soros im ganzen Lande aufgehängten antisemitischen Plakate abnehmen zu lassen. Der in Ungarn geborene US-amerikanische Staatsbürger, Förderer der „Central European University“ in Budapest und Gründer der „Open Society Foundation“, würde die nationale Sicherheit des Landes bedrohen, hieß es in der amtlichen Begründung.

Vor zwei Wochen hatte Ministerpräsident Viktor Orbán einen seiner Amtsvorgänger, Miklós Horthy, gewürdigt, der 1944 der deutschen Besatzungsmacht dabei geholfen hatte, den Weg zur Deportation von 600.000 Juden nach Auschwitz freizumachen.

Die Entscheidung, die Plakate abhängen zu lassen, begründete die Regierung damit, dass sie ihre Absichten erreicht hätten, und kündigte für den 15. Juli ein neues Gesetz an, das ihren politischen Zielen Genüge tun soll.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hält an seiner Absicht fest, am 18. Juli in Budapest zu einem offiziellen Besuch einzutreffen. Soros hatte die israelische Siedlungspolitik kritisiert, so dass sich der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Jerusalem zum Vorwurf veranlasst sah, er untergrabe Israels demokratisch gewählte Regierung, indem er Organisationen unterstütze, die den jüdischen Staat diffamieren und sein Recht in Abrede stellen, sich zu verteidigen.

Befürchtet wird, das George Soros von jüdischem Selbsthass zerfressen ist.