Das Treffen zweier Egomane in Washington

von Judith Bernstein

Ich habe mir die Pressekonferenz in Washington angetan: Sie war eine Liebeserklärung Donald Trumps an Israel, an das jüdische Volk und an das Ehepaar Netanjahu. Der Ministerpräsidenten seinerseits biederte sich an Trump an – das Treffen zweier Egomane, denen es einzig um den Erhalt der Macht geht.

Über die Motive Trumps, sich von der Unterstützung für zwei Staaten in Palästina abzukehren, und zwar als einziger Lösung des Konflikts, so wie sie von Washington bisher favorisiert wurde, können wir nur spekulieren. Ist Trump ein Realist, dem klargeworden ist, dass sie nicht mehr zu realisieren ist? Wollte er sich von Barack Obama, der Arabischen Liga, den UN und Europa absetzen? Will er damit die Rechten in Israel unterstützen, die eine Annexion der Westbank anstreben? Oder war dies im Vorfeld zwischen Netanjahu und Trump abgemacht, damit der Begriff zwei Staaten gar nicht mehr fällt, wie von Naftali Bennet und Ayelet Shaked von der ultrarechten Partei „Jüdisches Heim" verlangt? Wie auch immer: Es zeigt, dass Netanjahu der Gefangene der Siedler und seiner Koalitionspartner und deshalb sogar bereit ist, das Schicksal seines Landes in die Hände eines Narzissten zu legen, dem jede außenpolitische Erfahrung fehlt.

Gerade angesichts der Turbulenzen im Nahen Osten ist es für die Europäer an der Zeit, sich von der Politik eines unberechenbaren und gefährlichen Präsidenten zu lösen und zu einer Politik zu finden, die allen Menschen in der Region gerecht wird. Nur so können die großen Herausforderungen und der wachsende Nationalismus auch bei uns überwunden werden. Und damit wäre auch Israel vom eigenen moralischen Niedergang bewahrt.