Dankesrede von Ernst Grube

Am 07. November 2017 erhielt der Münchner Ernst Grube, der in den letzten Monaten vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Konzentrationslager Theresienstadt in NS-Haft saß und bis 2013 als Kommunist vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, den Georg-Elser-Preis in Erinnerung an Elsers Attentatsversuch auf Hitler am 08. November 1939. Elser wurde 1945 im KZ Dachau ermordet. Ernst Grube ist Mitglied der „Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe München“. 

„… Bei aller Freude über den Georg-Elser-Preis, den Sie mir, werte Stadträtinnen und Stadträte, heute verliehen haben, komme ich nicht umhin, mein Unverständnis zu zwei Vorgängen zu äußern: 

Nach wie vor dürften Stolpersteine, die für mich und viele Bürger eine wichtige Form des Gedenkens und des Mahnens sind, nicht auf öffentlichem Grund in München verlegt werden. Sicher gibt es viele Möglichkeiten des Erinnerns. Bisher missachtet die Stadt München ausgerechnet dieses Anliegen von Tausenden Bürgerinnen und Bürgern und verbietet die Verlegung auf öffentlichem Grund. Dieses Verbot muss aufgehoben werden – im Interesse eines aktiven individuellen Gedenkens an alle Opfer des NS-Regimes, so wie es tausendfach würdevoll in Europa praktiziert wird.

Als Mitstreiter von Judith und Reiner Bernstein begrüße ich, dass beiden der Preis „Der Aufrechte Gang“ von der Humanistischen Union München-Südbayern zugesprochen wurde. Beide erhalten den Preis für ihren Einsatz zur Verlegung von Stolpersteinen in München sowie ihren unermüdlichen Beitrag zur Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern. Dieser Preis darf nicht in städtischen Räumen entgegengenommen werden. Judith Bernstein ist in Jerusalem als Tochter deutscher Juden geboren, Dr. Reiner Bernstein ist Historiker und Publizist. Er hat sich in vielen Schriften mit der Situation im Nahen Osten auseinandergesetzt.

Diese beiden Münchner Bürger sind meine Mitstreiter für eine gewaltlose Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina. Judith und Reiner Bernstein treten ein für die Koexistenz beider Völker und setzen dafür ihre Kontakte zu israelischen und palästinensischen Friedensgruppen ein.

Weil im Münchner Rathaus Kritik an der Siedlungs- und Besatzungspolitik der israelischen Regierung unter Antisemitismus-Verdacht geraten ist, sollen keine kommunalen Räume mehr für kritische Sichtweisen zur Verfügung gestellt werden. Dieser absurde Vorwurf trifft jetzt nicht nur die Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe, sondern auch die Humanistische Union. Auch ich fühle mich getroffen und des Antisemitismus verdächtigt. Es mag mühsam und unbequem sein – Verständigung –, doch die Klärung von Missverständlichem kommt nur über die respektvolle Auseinandersetzung unter Einbeziehung der Rechte und Interessen aller zustande.

Der Münchner Stadtrat sollte alles tun, um den Dialog für eine gerechte und friedliche Lösung des Nahostkonflikts auch in München zu fördern. Lebendige Demokratie verlangt, dass wir unseren Verstand und Realitätssinn einsetzen, die Wirklichkeit zu ergründen, um sie zum Besseren zu verändern.

Ich danke Ihnen nochmals für den Preis und Ihre Aufmerksamkeit.“