Shimon Peres - ein Nachruf

von Reiner Bernstein

Shimon Peres, geboren am 02. August 1923 als Shimon Perski im polnischen Wischnewo, dessen jüdische Gemeinde im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht ermordet wurde, erlag am frühen 28. September seiner Krankheit. Als Peres und Yitzhak Rabin ihren 70. Geburtstag begingen, wurden sie von einem Vertrauten als „die zwei Löwen im Winter“ gewürdigt.

Peres, enger Vertrauter David Ben-Gurions und mit Franz Josef Strauß in Waffengeschäften verbunden, Initiator des Atomreaktors ins Dimona und Motor der militärisch-industriellen Entwicklung seines Landes, verließ mit „dem Alten“ in den frühen 1960er Jahren die Arbeitspartei. Als Verteidigungsminister in der Regierung Golda Meirs förderte er den Siedlungsbau. Nach seiner politischen Verbannung in Rabins erster Amtszeit 1975 bis 1977 kehrte er als Außenminister in eine Regierung der nationalen Einheit unter Yitzhak Shamir zurück und übernahm im Zuge der Ämterrotation für ein Jahr das Amt als Ministerpräsident.

Als Menachem Begin in der „Wahlurnen-Revolution“ von 1977 Regierungschef wurde, quittierte er die Siedlungspolitik der Arbeitspartei süffisant als „Annexion de luxe“. Nach der Ermordung Rabins Anfang November 1995 übernahm Peres für wenige Monate erneut das Amt des Premiers, bis er im Mai 1996 die Wahl nach der Militäroperation „Früchte des Zorns“ gegen die „Hisbollah“ verlor: Die arabischen Staatsbürger hatten ihm die Stimme verweigert. Benjamin Netanjahu siegte knapp mit weniger als 1 Prozent Vorsprung.

Zu Peres‘ Verdiensten als Außenminister werden die Osloer Vereinbarungen mit der PLO 1993/95 gerechnet, wofür er mit Rabin und Yasser Arafat den Friedensnobelpreis erhielt. Dass die Implementierung „Oslos“ weit unterhalb der Absicht eines Friedensvertrags bleiben solle –: Daran ließ Peres keinen Zweifel aufkommen. Für ihm kam nur eine palästinensische Selbstverwaltung in Betracht. Der politische Minimalismus hinderte Netanjahu nicht daran, „Oslo“ als „Akt der Kapitulation“ anzuprangern – auch weil die nicht-jüdischen Knesset-Abgeordneten der Regierung zu Hilfe kamen.

Trotz der gemischten Bilanz wird Peres als „Führer des Friedenslagers“ in die israelische Geschichte eingehen. Die Würdigung als Staatsmann ist der politischen Ohnmacht jener Kräfte zuzuschreiben, die sich jüngst aus Anlass der sich 2017 zum 50. Mal jährenden Besatzungspolitik in dem Aufruf „Wenn Du Dich um Israel sorgst, ist Schweigen keine Option mehr!“ zusammengefunden haben.

Vor wenigen Tagen ist Peres von Barack Obama als „Gigant des Friedens“ gepriesen worden. Staatsleute aus aller Welt haben ihn als lebende Legende bezeichnet. Sein Bekenntnis zur Zwei-Staaten-Lösung kam zu spät. Die Zeiten hatten sich politisch gründlich geändert.