ARD unter Druck

Seit Tagen ist eine üble Kampagne gegen einen Beitrag der ARD-Tagesthemen über die israelische Verweigerung im Gange, der palästinensischen Bevölkerung in der Westbank eine ihrer Zahl und ihren natürlichen Bedürfnissen entsprechende Wassermenge zur Verfügung zu stellen. Nach den zahllosen Facebook-Einträgen haben sich mittlerweile auch „BILD“ und „Focus“ der Kampagne angeschlossen. Am 18. August folgte die Frankfurter Allgemeine Zeitung". 

Zu befürchten ist, dass deutsche Medien und Einrichtungen der Bildungsarbeit vor der Maschinerie der israelischen Propaganda einknicken, indem sie sich der Aufforderung fügen, „ausgewogen“ zu berichten, wobei sich eine solche Ausgewogenheit, wie gehabt, der israelischen Interpretation zu fügen hat. 

Festzuhalten bleibt: Die deutschen Kritiker der ARD-Reportage übernehmen die israelische Propaganda, die seit langem auf Hochtouren läuft: Je stärker die Politik Israels international unter Druck gerät, desto politisch schamloser werden alle Kräfte mobilisiert - als ob Propaganda die Politik heilen könne. Dazu werden in diesem Fall amtliche israelische Quellen zitiert, wonach die Regierung Netanjahu der Autonomiebehörde eine Modernisierung der Wasserwirtschaft vorgeschlagen habe, ohne hinzuzufügen, dass die Ergebnisse selbstverständlich unter israelischer Kontrolle bleiben würden.

Mithin lehnen die Kritiker im Verein mit der israelischen Politik die international favorisierte Zwei-Staaten-Lösung ab und favorisieren die Fortsetzung der schleichenden Annexion palästinensischer Gebiete. Netanjahu selbst hat vor zwei Tagen in einer Video-Botschaft behauptet, dass seine Regierung der palästinensischen Bevölkerung nach Kräften helfe.

Am 15. August ist der Premier mit einem fast vierstündigen Monolog bei der „Haaretz“ Redaktion vorstellig geworden. Man darf annehmen, dass der Ministerpräsident alles daranzusetzen versucht, diese linksbürgerliche Stimme der politischen Vernunft mundtot zu machen. Erste Berichte über den Verlauf vermitteln den Eindruck, dass er nur mit äußerster Mühe die gebotene Contenance gewahrt hat. Herausgeber und Verlag von „Haaretz“ stehen seit langem unter heftigem politischem Druck mit dem Ziel, ihre Berichterstattung dem „nationalen Konsens“ anzupassen.

Die Hilflosigkeit der politischen Opposition hat David Grossman mittels seines Protagonisten, des Komödianten Dovele, in seinem jüngsten Roman „Kommt in Pferd in die Bar“, S. 70 ff., sarkastisch geschildert.