Ausgewogen oder enttäuschend? Bericht des "Nahost-Quartetts"

In einer ersten knappen Zusammenfassung meldete „Haaretz“ am 01. Juli 2016, dass die Außenminister des „Nahost-Quartetts“ (bestehend aus den USA, Russland, der EU und den UN) nach langen Beratungen in ihrem heute veröffentlichten Bericht die Palästinensische Autonomiebehörde auffordern, die Aufwiegelung zur Gewalt und den Terrorismus zu stoppen, während Israel den Siedlungsbau einstellen und den allmählichen Übergang der Zone C – sie macht über 60 Prozent der Westbank aus – ermöglichen solle. Die Außenminister stellten fest, dass die favorisierte Zwei-Staaten-Lösung weiter denn je entfernt sei und einer Einstaat-Realität Platz mache. Die Autonomiebehörde brachte umgehend ihre Enttäuschung über den Bericht zum Ausdruck. Dagegen zitierte das Blatt israelische und westliche Diplomaten dahingehend, dass der Bericht ausgewogener sei als ihm zugrunde liegende Entwürfe. Die Reihenfolge der Aufforderungen des „Quartetts" folgt erneut der Vorlage der „Road Map" 2003 in der Missachtung von Ursachen und Wirkungen.

Ebenfalls am 01. Juli berichtete die Friedensgruppe „Gush Shalom“ aus dem palästinensischen Dorf Al-Hadidiya im Jordantal über die dramatische Verknappung der Wasserversorgung seitens der israelischen „Zivilverwaltung“. Dazu zitierte „Gush Shalom“ den dort lebenden Patriarchen Abu-Saqer wie folgt:

„Die Siedler und der israelische Staat haben viele Verbrechen begangen und werden noch mehr begehen, doch das schlimmste Verbrechen, eine moralische Monstrosität ist es, uns Wasser vorzuenthalten. Sie haben unsere Brunnen verunreinigt, indem sie sie mit Steinen und Dreck gefüllt und durch tiefes Bohren die natürlichen Wasserquellen ausgetrocknet haben. Ich selbst habe zwischen 60 und 70 Wasserlöcher auf den Hügeln dort drüben gehabt, alle sind zerstört worden. Das ist schon in den 70er Jahren geschehen. Zur selben Zeit sind viele hundert Kubikmeter Wasser von den Siedlern für ihre Rasenflächen und Schwimmbäder verschwendet worden.

Ganze (palästinensische) Gemeinden sind zerstört worden, ihre Bewohner wurden vertrieben, um für Armeelager und Siedlungen Platz zu machen. Einst haben in Al-Hadidiya hundert Familien gelebt, 14 sind übriggeblieben. Wir müssen Wasser mit Tanklastwagen von weither holen, oft werden wir stundenlang an Straßensperren festgehalten und müssen für das Wasser mehr als das Dreifache dessen entrichten, was die Israelis bezahlen.

In einem Krieg tötet der eine, und der andere wird getötet, doch was hat das mit Wasser zu tun? Warum zerstören sie ständig unsere Bleibe? Experimentieren sie mit uns wie mit Ratten? Wir wohnen in Zone C, wo die Schafe für das Ökosystem und für das Überleben vieler Spezies verantwortlich sind.“

Aus einem anderen palästinensischen Dorf im Jordantal, aus Ein Hilwe, berichtete die Autorin Margaret Olin, dass die Beduinen eine Mauer zum Schutz ihrer Quelle gezogen haben, die jedoch von der „Zivilverwaltung“ niedergerissen werden soll.