"Bernie" Sanders zum Fünften (mit Nachträgen)

Nach seinem Erfolg bei den Vorwahlen im Bundesstaat Oregon und der äußerst knappen Niederlage in Kentucky gegen Hillary Clinton hat „Bernie“ Sanders am 17. Mai bei einem Wahlauftritt in Kalifornien davor gewarnt, dass die USA drauf und dran seien, sich zu einer Oligarchie zu entwickeln, in der eine Handvoll Milliardäre die Politik und die Wirtschaft kontrollieren. Als Beispiel nannte Sanders „einen Kerl namens Sheldon Adelson – einen der reichsten Leute in Amerika –, der bereit ist, einem anderen Milliardär namens Donald Trump riesige Summen zur Verfügung zu stellen“. Das amerikanische Volk habe genug von Milliardären, die über die Politik und die Wirtschaft bestimmen, rief Sanders unter dem Jubel der Veranstaltungsbesucher aus.

Adelson, mit seiner stark rechtslastigen Zeitung „Israel ha-Yom (Israel heute)“ ein enger politischer Weggefährte Benjamin Netanjahus, hatte am 13. Mai angekündigt, dass er den republikanischen Präsidentschaftsbewerber unterstützen werde. 

 

Nachträge:

1) Chemi Shalev berichtet am 25. Mai, dass die Programmatik von Sanders und die Ernennung einiger Berater seine jüdischen Gegner dazu veranlasst haben, ihn in die Nähe von Holocaust-Leugnern zu rücken. 

2) Im  Interview stellt der Präsidentschaftsbewerber der Demokratischen Partei „Bernie“ Sanders am 29. Mai klar, dass er zu 100 Prozent für das Existenzrecht Israels in Frieden und Sicherheit eintrete. Dafür würden die USA auch unter seiner Führung eintreten, erklärt er in der NBC-Sendung „Meet the Press“. Gleichzeitig betont Sanders, dass die USA die Bedürfnisse des palästinensischen Volkes respektieren müssten. Es könne nicht sein, dass sie beiseitegeschoben würden und „ein anderes Volk sagen kann, was sie [die Palästinenser] wollen“.  In den letzten Tagen war Sanders unter Druck geraten, weil er drei Kritiker der israelischen Politik in seinen Beraterstab aufgenommen hatte.

3) Auch wenn Sanders am 07. Juni die Vorwahlen im Bundesstaat New Jersey, New Mexico und Kalifornien verloren hat, kündigt er in Santa Monica vor einem vor allem jungen enthusiastischen Publikum die Fortsetzung seines Kampfes um die Nominierung der Demokratischen Partei im Juli an. In einem Kommentar der „Süddeutschen Zeitung" am 09. Juni wird die Frage gestellt: „Warum sollte ein Bewerber aufgeben, der immer noch Vorwahlen gewinnt, der Umfragen zufolge den Republikaner Donald Trump weitaus klarer schlagen würde als Hillary Clinton und der bei der Zahl der Delegiertenstimmen nur deshalb so hoffnungslos zurückliegt, weil die ominösen 'Superdelegierten' fast alle für Clinton sind?"

4) Bei der Begegnung am 10. Juni im Weißen Haus spricht sich Präsident Barack Obama für die Nominierung Clintons aus, zollt aber beim Treffen mit Sanders diesem seinen Respekt.

5) Am 12. Juli gibt Sanders bei einem gemeinsamen Wahlauftritt in Portsmouth, New Hampshire, seine Unterstützung für die Kandidatur Clintons auf dem am 24. Juli beginnenden Parteitag der Demokraten bekannt. Clinton hatte 34 der 56 Vorwahlen für sich entschieden.

6) Am 24. Juli, dem Vorabend des Nominierungsparteitstags der Demokratischen Partei in Philadelphia, muss die Parteivorsitzende Debbie Wassermann Schultz zurücktreten. Ihr wird vorgeworfen, den Parteiapparat gegen die Nominierung von Sanders mobilisiert zu haben.

7) Nachdem sich Sanders am 28. Juli auf dem Nominierungsparteitag voll hinter Clinton gestellt hat, wird von Kommentatoren gemutmaßt, dass die von ihm propagierte soziale Revolution von nun an ohne ihn ihre Fortsetzung findet. Als ihr politischer Star könnte sich die Vorsitzende der Grünen Partei Jill Stein erweisen.