"Bernie" Sanders zum Vierten (mit Nachträgen)

Als erstes Mitglied des US-Senats spricht sich der Senator der Demokratischen Partei Jeff Merkley, der den Bundesstaat Oregon vertritt, in einem Gastbeitrag für die „New York Times“ für die Nominierung von „Bernie“ Sanders als Kandidat für die Präsidentschaft in der Nachfolge Barack Obamas aus. Ohne die Verdienste von Hillary Clinton zu schmälern, glaubt Merkley, dass Sanders dem Wohnungsbau, der Gesundheitsfürsorge, dem Mindestlohn für Arbeitnehmer, der gerechten Regelung des Welthandels und dem Klimaschutz, der „weltweit größten Bedrohung der Menschheit“, mehr Gewicht beimisst als Clinton. Außerdem würde er glaubwürdig die Überwindung der Schere zwischen Reich und Arm angehen.

Am 13. April warnt Jacob Schechter in „Haaretz" vor der Wahl Donald Trumps oder Ted Cruz', den Kandidaten der Republikanischen Partei. Beide würden in ihren Reden mit deutlichen antiüjdischen Vorurteilen auftreten. Dabei sei der Evangelikale Cruz noch schlimmer als Trump, der nur vulgär sei und einen christlichen Nationalismus zu Hause und den Imperialismus gegenüber dem Ausland vertrete. Trump sei ein Rassist, aber kein Ideologe. Dagegen sei Cruz ein Gläubiger und damit gefährlicher. Hillary Clinton verspreche den (jüdischen) Wählern die „besonderen Beziehungen" zu Israel, ohne zu erklären, was sie damit meine. Denn diese seien schon jetzt enger denn je zuvor. Dagegen sage Sanders nichts weniger, als dass es Palästinenser gebe. Für ihn, Schechter, 1981 geboren, sei Israel ein Staat wie jeder andere, keine mystische Heimat, wie es in den Gebeten heißt. Israel habe eine Regierung, die aufgrund der desaströse Behandlung der Palästinenser Scham auslöse, wenn man sie unterstütze. Das Bekenntnis zur Zwei-Staaten-Lösung vermeide die Frage, ob sie die einzige Möglichkeit für den Frieden sei. Es sei kein Zufall, dass die BDS-Bewegung an den Universitäten ofmals von Juden geführt würde. Sanders würde im Gegensatz zu Clinton als ein Sprecher einer ethischen Politik betrachtet. Die Verachtung für den Militärismus erkläre das relative Desinteresse Sanders' an der Außenpolitik. Es sei ein hoffnungsvolles Zeichen, dass Abenteurertum künftig eine nachgeordnete Rolle in seiner Administration spielen werde. 

„Bernie“ Sanders erntet bei seinem Auftritt am 14. April in Brooklyn großen Applaus mit der Aussage, dass Benjamin Netanjahu nicht immer recht habe und dass die USA nicht weiter einseitig sein können. Es gebe im Konflikt zwei Seiten.

 

Nachträge: 

1) Im Vorfeld der Entscheidung in New York am 19. April kündigt Sanders am selben Tag die Zusammenarbeit mit seiner Mitarbeiterin Simone Zimmerman auf, die ihre Arbeit auf das jüdische Wählerpotential in der Stadt konzentrieren sollte. Zimmerman hatte per Facebook Benjamin Netanjahu als "arrogant, betrügerisch, zynisch und manipulatorisch" bezeichnet.

2) Am 03. Mai gewinnt Sanders die Vorwahl im Bundesstaat Indiana; fast 70 Prozent der für ihn abgegebenen Stimmen kommen von jungen Leuten. Auch wenn Clintons Vorsprung von Sanders nicht mehr einzuholen ist, sind sich Beobachter darin einig, dass Clinton als US-Präsidentin nicht umhinkommen wird, zentrale Forderungen von Sanders Anti-Establishment-Programm in ihre Regierungsagenda aufzunehmen: Gesundheitsdienste, Mindestlohn & Arbeitsplätze, Staatsverschuldung. Dagegen sei Clinton in der Außenpolitik erfahren.

3) Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" in der Pfingstausgabe vom 14.-16. Mai verwahrt sich Heinz Bude, einer der bekanntesten deutschen Soziologen, dagegen, dass die Welt von heute "das letzte Wort" sei. Es gehe darum, "durch Systemkritik wieder Systemvertrauen zu gewinnen". Für das "durchaus mehrheitsfähige Modell" stehe Sanders. "Mit einem ziemlich einfachen sozialistischen Konzept bringt er Hillary Clinton schwer in Bedrängnis. Ich glaube, Sanders' Anhängern geht es um mehr als nur um Weltflucht." Bude spricht der SPD diese Kraft zur Veränderung zu, wenn sie sich "einmal vom Zwang des Mitregierens befreit" habe.