Ein Volk, das allein wohnt?

von Reiner Bernstein

Georg Landauer, 1895 in Köln geboren und in jungen Jahren nach Palästina ausgewandert, hat im Zionismus immer „ganz verschiedenartige, ganz entgegengesetzte Bestrebungen“ gesehen. Als Mitglied im „Friedensbund“ („Brit Shalom“) der 1920er Jahre versuchten er, Martin Buber, Hans Kohn, Judah L. Magnes, Arthur Ruppin, Gershom Scholem, Ernst Simon und Robert Weltsch die zionistische Exekutive mit David Ben-Gurion für bessere Beziehungen zur arabischen Mehrheitsbevölkerung zu gewinnen. Bubers verwahrte sich gegen einen „horizontlosen Nationalismus“, der Kulturzionist Ascher Ginsburg („Achad Ha’am“) gelobte 1922 „Wenn das der ‚Messias‘ sein soll, will ich sein Kommen nicht sehen“.

Die Politik des Staates Israel will von solchen Warnungen nichts wissen. Wer die Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft sowie die Palästinenser in den besetzten Gebieten lediglich als „Araber des Landes Israel“ sieht, will die doppeldeutige Prophezeiung des Bileam vom „Volk, das allein wohnt und sich nicht zu den anderen Völkern rechnet“ (Num. 23,9) in einen Segen verwandeln. Zur Dokumentation dieser Einstellung hat der Tel Aviver Rechtswissenschaftler Amnon Rubinstein ein Lied aus der Zeit nach dem Junikrieg in Erinnerung gerufen:

 „Wenn die ganze Welt gegen uns ist, ist uns das völlig egal. Wenn die ganze Welt wieder gegen uns ist, dann lasst die ganze Welt zur Hölle fahren.“

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten bestätigt diesen Fluch. Am 15. Dezember hat er die Nominierung David M. Friedmans zum neuen Botschafter in Israel mit der Ankündigung gewürzt, die Botschaft von der Tel Aviver Yarkon-Straße in „Israels ewige Hauptstadt Jerusalem“ zu verlegen – sollen die Muslime zur Hölle fahren.

Auch der Jurist Friedman bleibt seinem Beruf als Konkursverwalter treu. Nachdem er sich zur Annexion der Westbank durch Israel ausgesprochen hat, denunziert er nun die jüdisch-liberale Organisation „J Street“, die sich für die Zwei-Staaten-Lösung einsetzt, als „Kapos“, als „üble Advokaten“, die sich vom sicheren Sofa aus für die Zerstörung Israels verwenden.

Dass Friedman in einst arabischen Viertel West-Jerusalems, in Talbiye, ein Haus besitzt, passt in den Abschied der amerikanischen Nahost-Diplomatie, die nach der Epoche einer vermeintlichen Ausgewogenheit dazu übergehen will, die „außerordentliche strategische, technologische, militärische und geheimdienstliche Zusammenarbeit“ mit Israel zu vertiefen.

In einer Zeit, in der die europäischen Hauptstädte voll mit der Ukraine, mit Syrien, Irak und Iran ausgelastet sind, kann die israelische Regierung beglückt das alte Lied nach 1967 anstimmen. Der Riss quer durch die jüdischen Gemeinden in den USA kümmert sie nicht. Sie waren als Steigbügelhalter von Wert, mit Donald Trump im Weißen Haus braucht Benjamin Netanjahu keine Umwege mehr.