Jerusalem, Tel Aviv, Haifa: „Flammen haben unser Land umschlugen”

In Jerusalem, Tel Aviv und Haifa haben sich am frühen Abend des 01. August 2015 viele tausend Menschen, darunter vor allem junge Teilnehmer, versammelt, um gegen den Mord an dem 18 Monate alten palästinensischen Baby in dem Dorf Duma bei Nablus und gegen die Anschläge auf die „Gay Pride Parade“ in Jerusalem am 30. Juli zu protestieren; am 02. August starb das dabei verletzter 16 Jahre alte Mädchen. Am Morgen des 08. August stirbt der Vater des palästinensischen Kindes, während die Mutter und der 4 Jahre alte Sohn mit schwersten Verbrennungen mit dem Tod kämpfen.

 

Staatspräsident Reuven Rivlin beklagte am 01. August in Tel Aviv: „Flammen haben unser Land umschlungen.“ Oppositionsführer Itzhak (Isaac) Herzog („Arbeitspartei“) betonte: „Terror ist Terror. Punkt, ob moslemisch oder jüdisch.“ Die Vorsitzende von „Meretz (Energie)“ Zahava Gal-On führte aus: „Jüdischer Terror ist ISIS-Terror, anders kann man das nicht sagen.“

 

Erziehungsminister Naftali Bennett („Das jüdische Haus“) ist von den Veranstaltern als Redner ausgeladen worden.

 

In Hebräisch sprachigen Internet-Einträgen wird Rivlin von Lesern aufgefordert, endlich „nach Gaza (zu) verschwinden“ und sein Amt niederzulegen: „Du bist nicht unser Präsident“, heißt es dort.

 

Verteidigungsminister Moshe Ya’alon ordnete an, Verdächtige in „Verwaltungshaft“ zu nehmen – eine Maßnahme, die bislang nur gegen Palästinenser zum Einsatz gekommen ist. Rechtlich gesehen, können Verdächtige zeitlich unbeschränkt festgehalten werden[1]. Noch am 30. Juli hatte der „Haaretz“-Leitartikel die Beendigung der „Verwaltungshaft“ verlangt, deren Zahl sich im Zuge der Militäroperation „Schutzschild“ im vergangenen Jahr 2014 verdoppelt hatte, weil sie den schweren Straftatbestand der Freiheitsberaubung erfülle.

 

„Wird die israelische Rechte endlich zur Besinnung kommen?“, fragte am 03. August voller Skepsis der Schriftsteller David Grossman.

 

In seinem wöchentlich erscheinenden Beitrag für die „Jerusalem Post“ schrieb am 06. August Gershon Baskin von den „Israel Palestine Creative Regional Initiatives“, dass die Bluttaten von rabbinischen Gelehrten und von Politikern inspiriert seien, die das Land Israel über den Wert des Menschen stellen. Sie hätten ihre Religion des Hasses in ein Umfeld der Straflosigkeit ausgedehnt und würden nie für ihre Verbrechen bestraft werden. Die Wurzel allen Übels, die Mutter aller dieser Sünden, so Baskin weiter, sei die Besatzung – die Kontrolle eines anderen Volkes und die Leugnung seines Rechts, in Freiheit zu leben. In fast 50 Jahre habe die Besatzung die Seele Israels vergiftet sowie die jüdische Philosophie und den jüdischen Glauben bis zu ihrer gegenwärtigen Form der Unkenntlichkeit, die den Mord rechtfertigt, verunstaltet.

 

                                             -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

 

 

[1]   Vgl. die Einträge in der Menüleiste „Chronologie“ dieser Homepage.