Reiner & Judith Bernstein

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Jihad Abu Zneid: Mein Jerusalem

von Jihad Abu Zneid 1

Dies ist eine Erklärung, die sich nutzen lässt, meine wundervolle Stadt zu beschreiben, die Modulationen meiner Stimme und den Klang meiner Schritte seit dem Tage, als ich die Farbe des Himmels kennenlernte, als ich meine ersten Worte von mir gab und meinen Weg aus dem Haus fand und durch das Labyrinth seiner anmutigen Alleen ging. Jerusalem, die Stadt, die fünftausend Jahre älter ist als ich, und die Stadt, die mir das Gefühl gibt, dass ich die Erbin dieser großen Geschichte bin und das Zentrum von Konflikt und Streit. …

Ich möchte, dass die Stadt allen gehört. Ich will sie frei und ohne Ketten. Ich will sie für alle Sprachen, für alle Völker. Ich möchte sie als volle Scholle der Ehrfurcht vor dem Wasser, ein Land, das liebt und Gerechtigkeit sucht und ein Land, das mich nicht diskriminiert wegen meiner Farbe, meines Aussehens oder meiner Adresse. Ich will sie frei von den Schranken der Angst.

Das ist Jerusalem, das Land, das ich liebe, das Land meiner Träume, das eines Tages der Menschheit Vertrauen, Liebe und Frieden nähren wird. Jerusalem ist von einem palästinensischen Autor so beschrieben worden: „Der nächste Punkt zum Himmel und der tiefste Punkt der Erde.“ Das Land, in dem Ungerechtigkeit nicht andauern kann, weil Gott es als ein Zentrum Seiner Religionen und als ein Symbol Seiner Strafen erwählt hat, indem er in ihr die Tyrannei begräbt.

1 Jihad Abu Zneid: Jerusalem: Center of Conflict or a Base of Convergence?, in „Arab News” 15. Mai 2007. Die Autorin war damals Mitglied des palästinensischen Parlaments, des „Palestinian Legislative Council“, sowie Gründerin und Leiterin des Verwaltungsausschusses des Frauenzentrums im Flüchtlingslager Shu‘fat.