Schreiben an Kardinal Prof.Dr. Reinhard Marx, München, am 28. Dezember 2015 (mit Nachträgen)

Sehr geehrter Herr Kardinal,

Als ich vor wenigen Tagen die traurigen Fernsehbilder aus Bethlehem sah, habe ich mich gefragt, ob die Katholische Kirche nicht mehr für die Christen im Heiligen Land tun kann.

Ich selbst wurde als Tochter jüdischer Eltern, die 1935 Deutschland verlassen mussten, in Jerusalem geboren, lebe heute in München, besuche jedes Jahr unsere Tochter in Tel Aviv sowie unsere Freunde in Israel und in Palästina. Dabei beobachte ich gleichsam hautnah, wie das Leben der Palästinenser immer unerträglicher wird. Auch unsere israelischen Freunde, die nicht müde werden, für die Rechte der Palästinenser einzutreten, leiden unter rechtstaatlich inakzeptablen Eingriffen ihrer Regierung.

In den vergangenen Jahren sind immer wieder Stätten durch Extremisten geschändet worden, so in Tabgha am See Genezareth und an der Dormitio in Jerusalem. Die Zahl der Christen im Heiligen Land wird immer kleiner. Daher bitte ich Sie, bei der Bundesregierung als höchster Vertreter der Katholischen Kirche zu intervenieren, damit alle Christen, Moslems und Juden in Israel und in Palästina endlich in Freiheit und Würde leben können.

Mit freundlichen Grüßen

www.jrbernstein.de

 

Nachträge:

1) Am 10. Januar 2016 hat die israelische Grenzpolizei einer aus 17 Ländern kommenden Gruppe katholischer Bischöfe die Einreise in die Westbank versagt, als sie das bei Bet Djalla liegende Salesianerkloster Cresiman besuchen wollte. Das Tal sei militärisches Sperrgebiet, hieß es zur Begründung. Schwerpunkt des diesjährigen Solidaritätstreffens in der Region ist ein Besuch von Kriegsflüchtlingen aus Syrien und Irak in Jordanien.

2) Zum vierten Mal – seit 2012, 2013 und 2015 – sind am 17. Januar 2016 Mauern und Türen der Benediktinerabtei "Dormitio" auf dem Zionsberg mit Parolen wie „Zur Hölle mit den Christen“ und „Möge sein [Jesu] Name ausgelöscht sein“ geschändet worden. In der wöchentlichen Kabinettssitzung reagierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit dem Bekenntnis: „Israel ist ein Ort, wo Christen und alle anderen Religionen frei ihren Gottesdienst feiern können.“